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Niels Logemann
Die Ehe – eine Lebensentscheidung? Überlegungen aus soziologischer Perspektive (Kurzfassung)
In dem vorliegenden Artikel wird der Frage nachgegangen, ob die Ehe aus der Sicht der Eheschließenden heute als Lebensentscheidung betrachtet werden kann. Um eine Antwort auf diese Ausgangsfrage zu finden, wird zunächst die alte These von der Krise der Familie bzw. der Ehe aufgegriffen und anhand soziologisch relevanter Aspekte auf der statistischen Ebene abgehandelt. Dazu werden der Leserin und dem Leser Eheschließungs- und Ehescheidungszahlen präsentiert, um daran die statistischen Entwicklung der Institution Ehe und ihre subjektive Bedeutung zu erörtern. Weil es sich bei Bedeutungen – in diesem Fall gegenüber der Institution Ehe – immer um Zuschreibungsprozesse handelt, die nicht für alle Zeiten gleich sind, sondern einem Wandel unterliegen, wird im Anschluss an die statistischen Verläufe die Institution Ehe aus historischer Perspektive betrachtet. Durch diese Vorgehensweise lassen sich vor allem die Veränderung in den Gründen für das Eingehen einer Ehe nachzeichnen. Es zeigen sich Unterschiede nach sozialem Status und nach Stand, vor allem aber, dass die Ehe lange Zeit schlicht ökonomische Notwendigkeit war. Gesellschaftliche Veränderungsprozesse wie der Übergang von der ständischen zur Industriegesellschaft und damit die Trennung von Produktions- und Familienbereich, gaben auch der Ehe eine andere Bedeutung und Sinnzuschreibung. Insbesondere das Bürgertum, seine Vorstellungen und Ideale über die Partnerschaft, übten schließlich einen nachhaltigen Einfluss auf die Ehe aus. Im Anschluss an die historische Entwicklung wird die These der Pluralisierung der Lebensformen an der Veränderung der Institution Ehe geprüft. Dazu werden der Prozess des Wertewandels, die verstärkte Durchsetzung anderer Lebensformen neben der Ehe, das veränderte Rollenverhältnis zwischen den Ehepartnern und die insgesamt gestiegenen Handlungsmöglichkeiten – der so genannte Individualisierungsprozess – kritisch erörtert. Abschließend werden anhand empirischer Studien unterschiedliche Bedeutungsmuster und Typologien von Ehe vorgestellt sowie mögliche Erklärungen gegeben, die die Entscheidung des Individuums für die Wahl einer Ehe beeinflussen. Die These, dass die Ehe angesichts gestiegener individueller Handlungsmöglichkeiten keine Lebensentscheidung mehr darstellt, wird kritisch hinterfragt und negiert.
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Marriage – A Life Choice? Reflections from a Sociological Perspective (Summary)
The present article addresses the question whether, from the point of view of those getting married today, marriage can be described as a life choice. In order to answer this question, first of all the old thesis of the crisis of the family and marriage is discussed and current sociologically relevant statistics are treated. Next the current figures of marriage and divorce are presented and the statistical development of the institution of marriage and its subjective meaning is explored. Because meanings concern a process of attribution that is not equal for all times but is subject change, in this case in regard to the institution of marriage, after the statistical analysis, marriage is treated from a historical perspective. This perspective allows the change in the grounds for getting marriage to emerge. Differences according to social status and class are evident, but above all one sees that a long term marriage was often chosen as a simple economic necessity. Processes of social change such as the movement from a rural society to an industrial one and thus the separation of the sphere of production from that of the family give a different significance and a diverse attribution of meaning to marriage as well. In particular, the middle-class, with its ideas and ideals about the marital relationship, exercises a lasting influence upon marriage. Along with the historical development, the article examines the thesis that the pluralism of models of life has changed the institution of marriage. In this regard, the process of the change of values is critically discussed, along with the increasing affirmation of diverse models of live along with the matrimonial model, the changed relationship in the roles among the partners, and the increase in the possibilities for action – the so-called process of individualization. In conclusion, different models and typologies of marriage are presented along with the empirical studies, giving a picture of the possible motives that influence the individual's decision to get married. The thesis that marriage, in the face of increasing individual possibilities of action, is no longer a life decision is critically examined and rejected.
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